Kind? Äähhm, also, na ja, so eins habe ich.

Ich habe aber auch einen ausgezeichneten Hochschulabschluss, darum habe ich mich auch beworben. Mit einem sehr guten Universitätsabschluss, abgeleisteten (unbezahlten) Praktika, Auslandserfahrung, sozialen und interkulturellen Kompetenzen sollte es doch ein Leichtes sein, als junge Frau einen zumindest einigermaßen entsprechenden Job zu finden. Klaro, denkste! Doch da war noch etwas: Selbst mit den größten Bemühungen Lebensereignisse im Lebenslauf umherzuschieben, kann die Elternschaft und –zeit nicht ganz ausgelassen werden. Und wenn auch nur dezent und beiläufig unauffällig am Rande im Lebenslauf erwähnt – das scheint Qualifikationen plötzlich in den Hintergrund zu verschieben.

Von etwa 15 Bewerbungen auf Stellen, von denen ich für 14 bestens qualifiziert war, erhielt ich 4 Rückmeldungen: 3 Absagen (immerhin!), 1 Einladung zum Vorstellungsgespräch (für die Stelle für die ich tatsächlich eher weniger qualifiziert war). Die restlichen 10 hielten eine Rückmeldung für unnötig. Ich möchte den Gedanken, der mir dabei durch den Kopf schießt eigentlich gar nicht zulassen, aber kann dann doch nicht anders als zu fragen: Ist es möglich, dass ich nicht eingeladen werde weil ich ein Kleinkind habe?

 

Mit einer bekannten Mutti auf dem Spielplatz habe ich über mein Ärgernis geredet und mich darüber pikiert, dass sowas doch nicht sein dürfe. Ihre Antwort darauf war: “Na hör mal, wie würdest du dich denn entscheiden? Für die ungebundene, flexible Fachkraft oder die – wenn auch genauso gebildete – junge Mutter, die in ihrer Flexibiltät mehr eingeschränkt ist? Also, ich würde auch die ohne Kinder einstellen!”. Klar wurden mir dabei mehrere Dinge: Uneingeschränkte Verfügbarkeit für den Arbeitsmarkt, in Vollzeit plus Überstunden, aufopfernd und immer 100% engagiert das sind keine überzogenen Ideale mehr, sondern das sind Maßstäbe, die als erfüllbar betrachtet und von großen Teilen der Gesellschaft internalisiert sind. Kinder sind in diesem System “Schwächen”, Eltern somit die Arbeitnehmer/innen der zweiten Wahl. Äh, Moment, wohl eher MÜTTER sind die Arbeitnehmerinnen zweiter Wahl. Denn das ist doch das nächste: Anscheinend wird automatisch angenommen, dass die Mama natürlich die alleinige Bezugsperson ihres Kindes sei und dass sie im Krankheitsfall ausnahmslos auch das Kind betreuen wird. Und dann sind die Krabben doch ständig krank! Mütter wären demnach unzverlässig, unflexibel und sowieso nicht bei der Sache. Ginge es mir genauso, wenn ich mich als Mann, der Vater ist, bewerben würde?

 

Ich habe ein paar Gedanken, die man auch mal denken kann: Mütter haben oft Partner/innen und Personen mit denen sie sich das Großsziehen der Kinder teilen. Menschen, die sich genauso verantwortlich fühlen. Viele Mütter (natürlich auch Väter, aber ich will hier mal für die Mamas sprechen) sind Hochleistungstiere! Multitasking ist Alltag, von jetzt auf nachher Umschalten auf “Funktionieren” ist in so vielen Situationen einfach unumgänglich. Haben Mamas nicht gerade vierzig Grad Fieber, Durchfall und eine schwere Bronchitis mit Erstickungserscheinungen, dann stehen sie auf den Füßen! Außerdem wollen sie Vorbilder sein und denken oft gleich für mehrere mit. Mamas wollen zum Lebensunterhalt der Familie verantwortungsvoll beitragen und ihren Job nicht fahrlässig verlieren – ist das vielleicht ein Grund sich noch mehr reinzuhängen?

 

Und ja, sie werden auch mal krank sein und sie werden sich um ein krankes Kind kümmern müssen/wollen – wie viele Väter. Vielleicht machen sie auch mal einen Fehler, aber vielleicht landen sie auch mal den riesen Erfolg – wie viele Väter. Flexibilität hin oder her – wir sind Menschen und keine Maschinen. Und das sind wir alle, ob mit oder ohne Kinder. Ich will nicht bevorzugt werden aufgrunddessen dass ich zum Wachstum der Gesellschaft beitrage – das ist Quatsch – aber ich will auch nicht benachteiligt werden deshalb. Ich will auch nicht andere Frauen und Mamas auf dem Spielplatz diesem Unfug zustimmen hören, denn das suggeriert nicht nur dieses unnütze so-ist-das-halt-Akzeptieren dieser Situation, sondern zeichnet sich dabei auch eine unausgeglichene und problematische Selbstwahrnehmung von sich als “Frau”, der angeblich eine bestimmte Rolle eigen ist, ab.

 

Ich möchte nicht verstecken, dass ich eine Mama bin und hasse, dass ich an meinem Lebenslauf versuche umherzuschieben und einfach keinen Weg finde an drei Monaten reiner Elternzeit ohne Studentin zu sein oder an einer Fortbildung teilzunehmen vorbeizukommen. Ich bin eine Mama, ich bin eine Hochschulabsolventin, die was kann und das eine schließt das andere nicht aus. Was ich mir durch das Verstecken erhofft habe? Dass ich zumindest mal eingeladen werde. Vielleicht erlaube ich mir dann doch mal diese kurzfristige Notlüge, einfach um zu sehen, ob ich mir die ganze Mama-Ablehnungssache nur eingebildet habe. Ich würde mich freuen, wenn ich dann auch keine Einladung erhielte, denn dann wäre mein negatives Arbeitgeber/innenbild wieder positiver. 

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Kommentare: 3
  • #1

    Max (Dienstag, 13 Mai 2014 18:56)

    Vielen Dank auch für diesen Beitrag. Vielleicht findet auch irgendwann ein Umdenken statt. AG sollten sich - von mir aus auch rein rational/ökonomisch - überlegen, welche Vorteile eine Frau mit Kleinkind neben den Nachteilen bringt. Ich habe viele Frauen mit Kleinkindern z.B. als zielstrebig, sozial sehr kompetent und effizient erlebt.

  • #2

    fujolan (Donnerstag, 12 Juni 2014 23:20)

    15 Bewerbungen, kein Stellenangebot und du schlußfolgerst umgehend, das läge an deinem Elternsein.
    Guck doch bitte mal über den Teller-Rand. Bei der jetzigen Arbeitsmarktlage gilt über den Daumen gepeilt:
    Für gefragte Abschlüsse (bestimmte Ingenieure etc.) ungefähr 25 Bewerbungen, 5-8 Gespräche bis Stelle.
    Für Hochschulabsolventen allgemein gesagt (und das beinhaltet JuristInnen, HistorikerInnen, BWLerinnen etc.pp.) kenne ich die Faustregel 50 schriftliche Bewerbungen >10 Bewerbungsgespräche, es sei denn es ist substantiell Berufserfahrung (nicht Praktika) und überdurchschnittliche Netzwerke vorhanden.

  • #3

    Fraeulein Rabatzki (Freitag, 13 Juni 2014 10:28)

    Danke Max für deinen Kommentar! Ich denke auch, dass es ein Problem ist, dass sobald Kinder bei potenziellen Arbeitnehmer/innen mit im Spiel sind, v.a. eben bei weiblichen Bewerberinnen darüber nachgedacht wird, wie SIE IHRE Familie mit ihrem Beruf vereinbaren können wird. Oder spielt das bei Vätern genauso eine Rolle? Persönlich habe ich Kolleginnen mit Kindern damals aber auch generell als besonders engagiert erlebt und übrigens auch häufig vom Partner, der mit dem Kranken Kind zuhause ist, berichten hören. Das mag Zufall gewesen sein, das kann ich natürlich nicht flächendeckend einfach behaupten.

    Danke Fujolan für deinen Kommentar. Tatsächlich - solche Zahlen sind mir nicht bekannt gewesen. Berücksichtigen diese Zahlen in ihrer Erhebung auch Faktoren wie Geschlecht/Alter/Eltern-Sein/Region? Ansonsten sagen sie für mich eigentlich nichts über den Zusammenhang von Stellenvergabe-Eltern aus, sondern zeigen hauptsächlich einen ungenauen Durchschnitt an. Der Oberbegriff "Akademiker" ist schon ziemlich undifferenziert - eine Ökonomin hat es eventuell leichter, als ein Kunsthistoriker eine Arbeitsstelle zu finden. Ich denke, diese Differenzierung gehört auch zum über-den-Tellerrand-Hinausschauen.

    Alles Liebe,
    Fraeulein Rabatzki

    p.s.: es gibt seit geringer Zeit eine Jobbörse, die Mütter mit Unternehmen verbinden wollen, da sie ein häufiges Problem bei hochqualifizierten, aber oft arbeitslosen Müttern erkannt haben und in diesem Bereich unterstützen möchten: www.mutterschafft.de
    Werde ich mir auf jeden Fall mal anschauen!

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Kommentare: 6
  • #6

    Melanie (Samstag, 07 November 2015 18:39)

    Ich möchte neues von Fräulein Rabatzki lesen! Bittö!

  • #5

    kevinundbabs (Freitag, 08 Februar 2013 13:37)

    Toller Blog. Du sprichst mir aus der Seele. Du findest genau die richtigen Worte. Ich besitze leider noch nicht das Selbstbewusstsein meine Meinung so offen kund zu tun... Aber für das Wohl meines Babies muss ich diese Lektion wohl noch lernen oder einfach nur brav nicken und gehen...aber auch das kann ich nicht.

  • #4

    Themama (Dienstag, 06 November 2012 16:09)

    Ein Lob an Fräulein Rabatzki. Mir gefällt dein Blog.

    Liebe Grüsse
    Themama

  • #3

    fraeulein-rabatzki (Mittwoch, 17 Oktober 2012)

    Ein neuer Beitrag zum Überleben bei unfreiwilliger Nachtaktivität! Daumen für heute Nacht bitte gedrückt halten.

  • #2

    Franky (Dienstag, 16 Oktober 2012 21:32)

    Überraschend neue Seite ( an Fr. Rabatzki UND im Internet ). Freue mich auf schöne, witzige und rührende Geschichten aus deinem/eurem Leben und freue mich daran teilhaben zu können. Liebe Grüße, Franky

  • #1

    benni (Dienstag, 16 Oktober 2012 21:32)

    hallo :D

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