Zurück - Was danach geschah.

Und tatsächlich war sie plötzlich vorbei die Babyzeit. Als Fraeulein Rabatzki sitze ich heute hier vor meinen Texten, während der kleine Rabatzki in der Kita singt, spielt, streitet und Spaß hat. Ich lasse Revue passieren und starte den Versuch zusammenzufassen, was bis hierher geschah. Eine neue Zeit, neue Geschichten und Themen stehen an und der Entschluss, dass ich die Rechte an Fraeulein Rabatzki doch nicht verkaufen werde, sondern sie lieber im Netz wieder aufleben lasse. 

Der kleine Rabatzki ist nun 22 Monate alt und ein plapperndes fröhliches, manchmal wütend tobendes kleines Kerlchen, gitarrenbegeisterter Tänzer und Klatscher, grenzerfahrungsmachender Trotzkopf mit Hang zum Hauen, Knutschen und Knuddeln. In den letzten Monaten haben wir viel erlebt: den Sommer, den wir größtenteils in unserem zweiten Wohnzimmer “Spielplatz” mit buddeln, Sand essen, klettern, rutschen und schaukeln verbrachten. Besuche bei den Großeltern und der Familie, ein Familienurlaub bei den Elchen in einem kleinen Häuschen in Schweden, eine Kita-Eingewöhnung, den Herbst, den Winter, die ersten Male Durchschlafen und das Abstillen. Ganz schön viel, ganz schön aufregend. Geprägt war diese Zeit von unkonventioneller Herangehensweise, in der wir unserer Überzeugung treu blieben so viel wie möglich unserer Intuition zu folgen. Die Organisation – wenn man es denn unbedingt so nennen möchte – unserer kleinen Familie haben wir nicht nach irgendwelchen Richtlinien oder an Vorschlägen anderer ausgerichtet, sondern nach unseren Bedürfnissen als Familie. Dabei waren wir und sind wir immernoch froh, manchmal frustriert, aber größtenteils zufrieden. Wo läuft es schon immer glatt? Was wäre das Leben ohne Höhen und Tiefen?

Wir haben eine Kita-Eingewöhnung von vielen Wochen voller Anstrengung, Trennungsängsten und Freuden erlebt. Das Eingewöhnungskonzept unserer Kita ist anders: es dauert so lange, wie esdauern muss und das ist in Ordnung. Da wir keinen großartigen zurück-zur-Arbeit-Druck hatten, war das insofern auch kein Problem für Rabatzkis. Alle Kinder unserer Kita – insgesamt 16 – wurden über lange Zeiträume eingewöhnt. Einerseits hatte das organisatorische Gründe, andererseits durften die Kinder im eigenen Tempo ankommen. Mein kleiner Rabatzki war ein paar Monate noch Mittagskind – ich habe ihn nach dem Mittagessen abgeholt – und macht seit kurzer Zeit nun auch seinen Mittagschlaf in der Kita bei seinen KumpelInen und seinem geliebten Kindergärtner. Endlich habe auch ich die Zeit mich meinen beruflichen (und sonstigen) Interessen wieder intensiver widmen zu können. Tatsächlich ist es immernoch ein Wahnsinnsgefühl, dass diese Zeit gekommen ist und es uns gut geht! Und das alles ohne rigide Erziehungs-Paradigmen oder Schrei- und Schlaftrainings. Wir haben das Leben einfach mal zugelassen und ich sehe, dass es gut war, dass es gut ist. Beispielsweise hatte ich immer die Vorstellung eines schrecklich schreienden Kindes in einem Abstill-Szenario von dem alle Beteiligten durchaus Schaden nehmen könnten. Ich habe also weiter gestillt, nicht aus Angst vor dem Abstillen, sondern weil es für uns richtig war und so genanntes “Langzeitstillen” sich auch richtig anfühlte. Wir haben am Ende noch abends und manchmal morgens gestillt. Und dann kam der Abend, vor etwa vier Wochen, da hatte ich urplötzlich das Gefühl, dass unsere Stillzeit jetzt zu Ende sei. Es war einfach so. Und – große Überraschung – das Horrorszenario vom protestierenden strampelnden Kleinkind blieb gänzlich aus! Mein Gefühl hatte mich nicht getäuscht. Wir waren bereit dazu. Was ich damit sagen möchte: kein Ratgeber, keine “Erziehungsexperten” und keine Normen können dir vorgeben, was für dich und deine Familie der richtige Weg ist! Ich möchte dich dazu ermutigen, auf deine innere Stimme, dein Bauchgefühl und dein persönliches Vernunftsempfinden zu hören. Einfach zulassen bedeutet manchmal auch mutig zu sein, wo es doch so viele andere Leute oftmals
meinen besser als du zu wissen.

Ich halte es für wichtig, sich mit unserer Umwelt, Welt und unserer Gesellschaft auseinanderzusetzen und weiterhin kritisch zu hinterfragen. Als Eltern und Nicht-Eltern sind wir diejenigen, die unsere Kinder nachhaltig beeinflussen werden und letztlich die nachwachsende Gesellschaft bilden. Wir haben die Verantwortung selbst zu fragen, zu handeln und andere Menschen und unsere Kinder darin zu unterstützen.

Wir Menschen haben vielerlei Ansichten, vielerlei Absichten und Anliegen. Wir alle suchen unseren Platz und wollen diesen in Anspruch nehmen. Gleicher Meinung sein? Gewiss nicht immer, mit manchen vielleicht nie. Doch kein Bemühen im Namen der Gerechtigkeit und der Liebe wird überflüssig sein, wenn wir uns bewusst machen, dass wir alle etwas zählen, dass wir alle von Bedeutung sind.

Liebe LeserIn, liebe MitstreiterIn im Bemühen um eine sexismusfreie, gewaltfreie und liebende Gesellschaft: ich danke dir. Ganz einfach.

Alles Liebe und bis bald,

Fraeulein Rabatzki

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Kommentare: 1
  • #1

    Nina (Montag, 17 März 2014 13:36)

    Ach was freue ich mich, dass du doch noch -wieder!!! - da bist...fühlst, ausprobierst, schreibst. Alles Gute für dich & Euch & deinen Schritt zurück ins Netz!

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Kommentare: 6
  • #6

    Melanie (Samstag, 07 November 2015 18:39)

    Ich möchte neues von Fräulein Rabatzki lesen! Bittö!

  • #5

    kevinundbabs (Freitag, 08 Februar 2013 13:37)

    Toller Blog. Du sprichst mir aus der Seele. Du findest genau die richtigen Worte. Ich besitze leider noch nicht das Selbstbewusstsein meine Meinung so offen kund zu tun... Aber für das Wohl meines Babies muss ich diese Lektion wohl noch lernen oder einfach nur brav nicken und gehen...aber auch das kann ich nicht.

  • #4

    Themama (Dienstag, 06 November 2012 16:09)

    Ein Lob an Fräulein Rabatzki. Mir gefällt dein Blog.

    Liebe Grüsse
    Themama

  • #3

    fraeulein-rabatzki (Mittwoch, 17 Oktober 2012)

    Ein neuer Beitrag zum Überleben bei unfreiwilliger Nachtaktivität! Daumen für heute Nacht bitte gedrückt halten.

  • #2

    Franky (Dienstag, 16 Oktober 2012 21:32)

    Überraschend neue Seite ( an Fr. Rabatzki UND im Internet ). Freue mich auf schöne, witzige und rührende Geschichten aus deinem/eurem Leben und freue mich daran teilhaben zu können. Liebe Grüße, Franky

  • #1

    benni (Dienstag, 16 Oktober 2012 21:32)

    hallo :D

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