Pseudo-Emanzipation und was ich jetzt so mache außer Mama sein.

Es sind schon sehr widersprüchliche Anforderungen und Fragen die an mich und bestimmt auch viele andere junge Mamas gestellt werden. Während der Schwangerschaft wird Zeigefinger-hebend darauf hingewiesen, dass du dies und das machen sollst und nicht machen sollst, nach der Geburt erhältst du auch noch eine gewisse "Schonfrist" angetackert und dann... dann sollst du dich aber mal zusammenreißen, den Alltag einkehren lassen, dich um dein Leben kümmern. "Und was machst du sonst so, außer jetzt Mutter zu sein?", wurde ich letztens gefragt. Eine recht legitime Frage, doch mich lässt das Gefühl nicht los, dass mehr dahinter steckt. 

Manchmal stecke ich in einem Zwiespalt, den ich als ganz schön kompliziert empfinde. Einerseits möchte ich mich voll und ganz dem kleinen Rabatzki zuwenden, andererseits hätte ich gerne auch mehr Ich-Zeit, die sich im Moment ab und zu mal auf wenige Stunden beschränkt. Ich würde gerne eine 20 Stunden Arbeitsstelle haben (natürlich am liebsten mit flexiblen Arbeitszeiten), würde gerne wieder Yoga machen und mehr Laufen gehen und ein Buch schreiben. Ich würde aber auch gerne mehr Zeit mit klein Rabatzki auf dem Spielplatz beim Schaukeln verbringen, mit BabykumpelInen und den Eltern abhängen und mit klein Rabatzki schwimmen gehen. Achso, schlafen würde ich auch gerne.

 

Viele Wünsche und viel Hoffnung, denn ich weiß, es wird irgendwann so weit sein, dass ich wieder mehr Zeit haben werde. Es ist für mich völlig in Ordnung, dass im Moment die meiste Zeit als klein Rabatzki-Zeit deklariert wird. Ich finde es sogar schön von ihm gebraucht zu werden und eine Hälfte seiner beiden allerliebsten Menschen zu sein. Vielleicht könnte man mich als recht enthusiastische Mama sogar bezeichnen - ich will bei seinen ersten Schritten dabei sein, ich will ihm irgendwann die erste Schokolade geben und will ihn stolz in meine Arme nehmen, wo er sich beruhigt, während er bei unserem Gegenüber angefangen hat zu weinen. Ja, so ist es. Auf das Modell Gluckenmama scheint alles hinausgelaufen zu sein! Problematisch? Im Moment nicht für mich.

 

Jetzt aber zurück zum Zwiespalt, bevor ich, die Glucke, anfange über das Verdauungs- oder Trotzverhalten meines Kindes zu erzählen. Ich muss sagen, es ist für mich gerade nicht so schwer die eigenen Wünsche in einem megamäßig verlangsamten Tempo zu verfolgen - sie sind ja nicht gestrichen. Mit klein Rabatzki verloren diese Wünsche aber tatsächlich etwas an Wichtigkeit. Sie sind noch da, keine Frage, aber sie können ein bisschen länger warten jetzt, weil das für uns Rabatzkis ok ist so. Die Frage "Und was machst du sonst so, außer jetzt Mutter zu sein?" empfinde ich dabei irgendwie als unangebracht und als beispielhaft für eine Art pseudo-emanzipierten Blick einer breiten Öffentlichkeit, wonach - wenn man zu der vermeintlich emanzipierten Gesellschaft gehören möchte - das Kind mit spätestens einem Jahr in die Kita geht, damit die Eltern selbstverständlich einer "ordentlichen" Vollzeitstelle nachgehen, den Haushalt nebenbei schmeißen, dabei niemals auch nur an burn-out denken und zufrieden sind, weil sie ihr Kind uns sich so toll organisiert kriegen. Zugegeben: Mit Organisation hapert es bei mir oftmals, ich lege auch nicht zu viel Wert darauf und bin dann der Meinung, dass man das als Flexibilität bezeichnen könne, nicht als Faulheit oder so. Andererseits ist man als Elternteil irgendwie automatisch OrganisatorIn und findet dabei den eigenen Stil, der dann vielleicht nicht allen gefällt.

 

Die pseudo-emanzipierte Einstellung vieler Leute schlägt mir dabei ganz schön auf den Magen und ich will von denen, wie ein trotziges Kind, in Ruhe gelassen werden. Wenn frau nur als emanzipiert gilt, wenn sie sich als Mutter möglichst schnell wieder ins Berufsleben schmeißt und sich von ihrem Kind unabhängig gemacht hat, dann läuft da meiner Meinung nach etwas schief. Das bezeichne ich als pseudo-emanzipiert. Ich fühle mich nämlich nicht weniger feministisch und emanzipiert wenn ich aus freien Stücken die Windeln meines kleinen Rabatzkis glücklich wechsele oder konzentriert und gestresst meine Masterarbeit schreibe. Ich fühle mich auch in meinem Wunsch nach einer 20-Stunden-Arbeitsstelle alles andere als unemanzipiert und faul. Ich empfinde mich vielmehr als selbstbestimmt und nicht als "nur Mama", wenn ich solche Wünsche äußere. Für mich beginnt Emanzipation da, wo ungenierte Meinungsäußerungen und Verwirklichungen der eigenen Vorstellungen einer Lebensweise auf Akzeptanz treffen. Akzeptanz ohne Schublade sozusagen.

 

Es gibt so viele äußere Faktoren auf die wir manchmal keinen Einfluss haben. Da müssen wir doch nicht auch noch diejenigen, die mit ihrer Lebensweise größtenteils zufrieden sind, durch die Blume darauf hinweisen, dass das aber nicht als emanzipiert gelten darf! Ein solcher Rückschluss von Emanzipation der Frau auf ihre Fähigkeit Beruf und Familie unter einen Hut zu kriegen, ist vergleichbar mit dem Trugschluss, Feminismus sei nur etwas für Frauen und habe das Ziel, Frauen Männern zu bevorzugen. Mehr noch: Das ist Diskriminierung, ganz nach dem Motto, wenn du die Doppelbelastung und -erwartung nicht verkraftest, dann gehörst du halt nicht zu denen, die als emanzipiert gelten dürfen. Und noch mehr: Wer fragt eigentlich mal den Herrn Rabatzki, was er jetzt so mache, außer Papa zu sein? So gesehen wird er durch das nicht-Fragen auch diskriminiert, da automatisch angenommen wird, dass sein Leben einfach so weiter ginge wie zuvor und er als Papa automatisch weniger zu tun habe als eine Mama. Bei den Rabatzkis und vielen anderen Familien läuft das aber gar nicht so.

 

Ja, die Pseudo-Emanzipation unserer Gesellschaft ist ziemlich zum Kotzen, wie ich finde. Besonders weil sie zu einer schubladenmäßigen Norm wurde, Emanzipation aber doch eigentlich der     Abschaffung einer Norm bedarf. Oder hab ich da jetzt was falsch verstanden?

 

 

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Kommentare: 15
  • #1

    Die Pumpgun (Montag, 18 März 2013 12:33)

    Super Text! Genauso sehe ich das auch.
    Mein kleiner Kerl ist jetzt 6 MOnate alt und auch ich werde derzeit oft gefragt, was ich denn den ganzen Tag mache außer Mama zu sein.
    Ich werde seit etwas 2 Monaten auch oft gefragt, wann ich denn endlich abstille, damit ich "endlich wieder unabhängig bin". Ich genieße aber die Zeit mit meinen Baby und werde mir mit dem abstillen Zeit lassen. Da habe ich dann auch oft das Gefühl, dass ich als unemanzipierte Glucke gelte. ;)

  • #2

    fraeulein-rabatzki (Dienstag, 19 März 2013 08:25)

    Liebe Pumpgun,

    vielen Dank! Ja, das mit der Frage nach dem Abstillen kenne ich auch - meiner ist schon 10 Monate und ein Abstillen liegt noch eher in der Zukunft, als dass es im Moment realistisch wäre. Erst fragen dich alle, ob es denn mit dem Stillen auch gut geklappt hätte, dann nach 2 Monaten, wie lange du eigentlich vorhast zu stillen, nach 4 Monaten etwa geht es dann los mit der Frage, wann du denn endlich abstillen möchtest, oder ob du stillen wolltest wenn dein Kind etwa schon am Laufen sei, blablabla... Klein Rabatzki läuft inzwischen - obwohl wir ihn andauernd rumgetragen haben, manchmal den ganzen Tag - und stillt immernoch. Zum Einschlafen, Zwischendurch oder wenn es ihm nicht so gut geht. Und es fühlt sich alles noch richtig an, so wie es ist. Und das ist doch die Hauptsache!

    Alles Liebe für dich und deine Familie,
    Fraeulein Rabatzki

  • #3

    Mela (Dienstag, 19 März 2013 09:21)

    Ich muss dir widersprechen. Ein Job hat primär mit langfristiger Unabhängigkeit zu tun. Denn auch mit dem besten Partner und der besten Unterstützung gilt am Ende (mag erst nach Jahren so sein): wer zahlt befielt. Wenn beide Eltern gleich viel zum Familieneinkommen beitragen können sie in allen finanziellen Fragen auf Augenhöhe kommunizieren. Das trifft meiner Erfahrung nach auf 99% der Beziehungen zu. Und zudem werden in solchen Beziehungen leichter alle Aufgaben auf zwei Schultern aufgeteilt.. Das macht vieles einfacher. Es geht bei der von dir kritisierten Pseudo-Emanzipation um die langfristige Perspektive einer Familie. Und ist bei vielen nicht nur aufs Baby ausgerichtet, denn bald gibt es bei euch kein Baby mehr...

  • #4

    fraeulein-rabatzki (Dienstag, 19 März 2013 10:42)

    Liebe Mela,

    danke für deinen Kommentar. Ich glaube allerdings, dass wir ein bisschen aneinander vorbeigeredet haben:

    Mein Anliegen mit diesem Text war es nicht eine langfristige bestmögliche Perspektive einer Familie aufzuzeichnen, sondern vielmehr sollte es darum gehen, dass es ok sein sollte, wie Menschen sich entscheiden ihr Leben zu führen. Dabei ging es nicht darum, was jetzt wem das beste Sicherheitsgefühl verschafft. Ist doch ok wenn zwei Menschen, die ein Kind haben oder mehrere Kinder sogar, beide Vollzeit arbeiten gehen und sich den Haushalt aufteilen. Genau so muss es aber auch ok sein, wenn sich Menschen dazu entscheiden, etwa 20-Stunden Stellen zu bevorzugen, sich weiterhin die Hausarbeit und die Betreuung des Kindes aufzuteilen und dabei die Finanzierung der Familie auch mit "nur" 1000€ beispielsweise managen zu können. Es ging mir darum, dass Emanzipation (v.a. der Frau) nicht bedeuten darf, dass sie daran gemessen wird, wie mensch es schafft sich abzuarbeiten (das Pensum muss dabei jede/r selbst festlegen). Ich glaube nämlich, dass durch genau so etwas dann Ansichten entstehen wie "wer zahlt befiehlt" oder "alleine schaffe ich das nie, ich muss mich weiter schlagen lassen". Das ist nämlich nicht wahr: Es handelt sich hier im Grunde genommen nicht per se um finanzielle Abhängigkeit, sondern eher um emotionale Abhängigkeit, die das Selbstbewusstsein und -vertrauen stören. Ich kann aber durchaus nachvollziehen, warum diese Ansichten bezüglich Unabhängigkeit = Vollzeitjob bestehen. Es wird einer/m ja dauernd suggeriert, dass nur Kohle unabhängig macht. Aber das ist eben auch Einstellungssache. Ich habe zum Beispiel ein riesiges Vertrauen in das Universum und empfinde mich nie als abhängig oder ohnmächtig aus dem Grund, dass ich mal nicht mehr viel Geld habe. Ich fühle mich aber durchaus emotional abhängig von Personen und Dingen, was ich aber auch eher schön, als belastend finde.

    Deinen letzten Satz verstehe ich nicht ganz. Meinst du, weil ein Baby ja irgendwann kein Baby mehr ist, dass man gar nicht erst seinen Lebensentwurf auf dieses Baby ausrichten soll, sondern vielmehr das Baby an sich selbst anpassen?

    Viele Grüße und alles Liebe,
    Fraeulein Rabatzki

  • #5

    Mela (Dienstag, 19 März 2013 11:35)

    Zum letzten Satz: Ja, dein Baby wird schnell größer und Dinge werden sich kolossal verändern - die Tagesstrukturen, die Ansprüche deines Kindes etc. Von Baby an sich selbst anpassen hab ich nix gesagt, aber ich halte nichts davon, sein Leben nach dem Kind auszurichten, sondern das Kind in bestehende Strukturen zu integrieren und die Familie je nach Alter des Kindes neu auszurichten.
    Von Vollzeitjob war auch nie die Rede. Wer Teilzeit arbeiten will, der darf das tun. Aber es hat Konsequenzen, die muss man tragen können. Wenig Geld ist nicht das Problem. Aber das was hinter dem Geld steht. Wenn dein Partner z.B. ein Projekt verwirklichen möchte, wofür er weniger arbeiten müsste und mehr Zeit für das Projekt bräuchte, sollte eine Partnerin ihn dabei genauso unterstützen können, wie es andersherum auch selbstverständlich sein sollte. Mit Vertrauen ins Universum hat das nichts zu tun. Sondern mit konkreter Verantwortung. Jemand hilft dir ja auch gerade Studium und Baby zu finanzieren. Da stehst du in der Verantwortung.
    Es geht keineswegs darum wie viel Prozent man arbeitet, sondern dass man sich eine sehr konkrete berufliche Perspektive aufbaut und erhält. Denn bis zur wohlverdienten Altersruhe ist es noch lange hin. Du musst nicht nur die Familie im Moment mit 1000 Euro managen können, sondern mindestens die nächsten 50 Jahre in unterschiedlichen Situationen aktionsfähig bleiben.
    Noch mal, es geht mir nicht um Sicherheit, sondern um Verantwortung. Wie viel persönliche Freiheit du dir gönnst ist deine Sache, aber wer was davon bezahlt eben auch. DAS musst du ebenfalls managen können...

  • #6

    fraeulein-rabatzki (Dienstag, 19 März 2013 12:58)

    Liebe Mela,

    ich respektiere deine Ansichten und finde, dass jede/r für sich entscheiden muss, was wichtig oder erstrebenswert ist.

    Mal ganz davon abgesehen, ob jemand anderes angeblich für mich unser Kind und mein Studium finanziert (?), ging der Text nicht darum, was es bedeutet Verantwortung zu übernehmen oder dass irgendwer irgendwem was bezahlen soll. Um Geld ging es eigentlich gar nicht, sondern tatsächlich lediglich darum, dass Emanzipation nichts mit einer Norm zu tun haben sollte oder dem Aufbau einer "konkreten beruflichen Perspektive". Diese macht dann doch jede/r von seinen eigenen Vorstellungen und Werten abhängig.

    Ich weiß gerade gar nicht, wie die Diskussion in diese Richtung geraten ist. Das wäre dann vielleicht mal ein anderer Blogbeitrag.

    Viele Grüße,
    Fraeulein Rabatzki

  • #7

    fraeulein-rabatzki (Dienstag, 19 März 2013 14:00)

    Achso, das hatte ich vergessen.

    Für mich und uns war immer klar, dass, wie du das auch sagst, Familien-Integration beidseitig stattfinden muss, da sind wir uns einig. Allerdings muss ich zugeben, das für uns schon primär die Bedürfnisse unseres Kindes im Vordergrund stehen und manche/r würde das vielleicht als auf's-Kind-ausrichten bezeichnen. Das bedeutet für uns beispielsweise, dass klein Rabatzki nicht mit einem Jahr in den Kindergarten muss, wenn er unserer Meinung nach noch nicht so weit sein sollte oder dass wir kein "Schlafprogramm" durchführen à la Ferber, um unsere Ruhe nachts zu haben usw. Das tun wir, weil wir es nicht nur so wollen, sondern weil wir das auch können. Dass sich Strukturen ändern werden ist uns durchaus bewusst und auch willkommen und vielleicht werde ich ja irgendwann mal da sitzen und denken, dass wir es hätten anders machen sollen. Im Moment fühle ich mich aber sehr auf dem richtigen Weg. Wer weiß? Meistens ist man im Nachhinein schlauer, aber man muss das tun, was man zu einem bestimmten Zeitpunkt für richtig hält.

    Liebe Grüße,
    Fraeulein Rabatzki

  • #8

    Mela (Dienstag, 19 März 2013 17:29)

    Ich kann mir wohl denken, wie du das alles meinst. Die Norm ist aber, dass Frauen der Kinder wegen auf vieles verzichten, obwohl sie das gar nicht müssten. Ich plädiere eher dafür, dass beide Elternteile gleich viel arbeiten.
    Die Norm ist in den Zeitungen zu lesen. Frauen verdienen weniger, für gleiche Arbeit. Frauen bleiben in Minijobs hängen. Frauen arbeiten proportional mehr im Haushalt, als Männer. Frauen sind in großer Zahl von Altersarmut bedroht und vom Steuerzahler unterstützt werden müssen und dennoch nicht vernünftig über die Runden kommen.

    Dass beide Vollzeit arbeiten aus Spass an der Freude ist nicht die Norm. Die Norm ist, dass Frauen arbeiten müssen!
    Da finde ich es eben unberechtigt, dass du die sehr legitime Frage nach dem 'was-machst-du-nach-dem-Studium' als Pseudo-Emanzipation abtust. Unser Solidaritätssystem ist eine gegenseitige Beziehung. Das heißt auch, dass jede von Armut bedrohte Frau von 2 Vollzeit arbeiteten Frauen unterstützt werden muss. Das ist einfach Realität. Und da liegt die Verantwortung.
    Egal wie viel du arbeiten möchtest, du musst für dich selbst sorgen können. Sonst muss ich es tun. Und ich tu das nicht, weil ich nix besseres mit meinem Geld vorhabe, sondern weil ich es kann und für richtig halte.
    Und dieses 'Ich hab aber ein Kind großgezogen' ist mal gar kein Argument. Das macht fast jeder.
    Abgesehen davon ist es auch mit 2 berufstätigen Eltern möglich auf die Bedürfnisse des Kindes einzugehen. Das lässt sich durchaus machen.

  • #9

    fraeulein-rabatzki (Dienstag, 19 März 2013 21:05)

    Liebe Mela,

    ich kann viele deiner Argumente unterschreiben.

    Die Norm, dass Frauen sozial, beruflich und privat häufig Ungerechtigkeit erfahren ist ohne jeglichen Zweifel Tatsache! Frauen müssen auch arbeiten und machen das nicht primär weil es so viel Spaß macht. Die Zahlen usw. sind ja, wie du schreibst, durch die Medien bekannt. Und dennoch: Die Aussage man müsse obligatorisch für sich selbst sorgen können ist schwierig. Das lässt leicht den fälschlichen Rückschluss zu, dass die Frauen, die unterstützt werden, nicht arbeiten wollten. Ich denke auch nicht, dass heutzutage noch viele das Argument "Ich hab aber ein Kind großgezogen" ernsthaft in Erwägung ziehen.

    Unser Sozialsystem, das auf Solidarität beruhen sollte, und das ich selbst gerne unterstütze, rechtfertigt aber meines Erachtens nicht die abwertende Fragerei, die darauf abzielt auf ein "das-gehört-sich-so-und-so" und "da-musst-du-dich-einreihen" hinzuweisen. Anders gesagt: Wenn Frauen, speziell Mütter, es tendenziell schwerer haben eine Karriere oder meinetwegen eine Altersvorsorge aufzubauen, dann empfinde ich es nicht gerade als hilfreich sie in Anbetracht doppelter Sozialisationsfaktoren unter noch mehr Druck zu setzen. Damit meine ich allerdings nicht, dass Frauen stattdessen an die Hand genommen werden müssen, sondern dass ihnen ein eigener Handlungsspielraum zugestanden werden muss. Der Druck ist auch ohne die Fragen da, speziell dann, wenn sie Verantwortung für ein Kind tragen. Die Frage nach dem Studium und danach was man sich erhofft, machen zu können, ist eine andere und natürlich vollkommen legitim. Vielleicht habe ich mich da missverständlich ausgedrückt. Nicht die Frage ist pseudo-emanzipiert, sondern die Vorstellung die dahinter steckt und impliziert, dass nur die als emanzipiert gelten darf, die sich nach dem vorgegebenen Muster einer vermeintlichen Mehrheit verhält. Mittrotten hat selten zu Veränderung geführt.

    Klar, kann man auf die Bedürfnisse von Kindern eingehen, auch wenn beide Elternteile berufstätig sind. Das zweifle ich nicht an. Man muss es so machen, wie man es will und wie man es kann.

    Danke für das Teilen deiner Ansichten. Ich freue mich, wenn ich zur Diskussion angeregt habe, denn darin liegt ja der Knackpunkt.

    Einen schönen Abend für dich,
    Fraeulein Rabatzki

  • #10

    micheline (Mittwoch, 20 März 2013 13:04)

    liebes fräulein rabatzki

    lies mal, was der malte zu deinen gedanken meint
    http://www.malte-welding.com/
    tut gut, vor allem der beitrag
    Mrz 13
    „Frau, die Milch kocht über“ – Frauen sind die Packesel der Emanzipation"

    uff, ja genau - lachen oder weinen?

  • #11

    fraeulein-rabatzki (Mittwoch, 20 März 2013 19:30)

    Liebe Micheline,

    vielen Dank für den Hinweis!

    Das Beispiel seiner Schwester ist genau das, wovon ich in meinem Text gesprochen habe: Plötzlich darf sie nicht mehr als emanzipierte Frau gelten, obwohl sie eigenmächtig und dabei sogar ohne finanziellen Druck eine Karriereunterbrechung und Lebensveränderung für sich entschieden hat. Unkonventionell im Sinne eines pseudo emanzipatorischen Verständnisses.

    Super auch der Hinweis, dass Emanzipation ein Lernprozess aller Geschlechter sein muss - und ja, jede/r wird dabei "Fehler" machen oder Verhalten an den Tag legen, das sich überdenken lässt. Tragisch, sich die Bezeichnung von Frauen als Packesel der Emanzipation vor Augen führen zu müssen, aber durchaus einleuchtend. Ein bisschen arg pessimistisch gezeichnet finde ich aber die Analogie "schwarzes Tal der Dilemmata, dort, wo niemals die Sonne scheint und man nur noch vor sich hinstolpert". Klar, egal wie sich frau entscheidet - ein Lager wird immer was daran auszusetzen haben, während für Männer eine solche Entscheidung oftmals gar nicht erst zur Debatte steht. Ich frage mich nur, ob man nicht auch zufrieden sein kann, obwohl jemand anderes die eigene Entscheidung für misslungen hält?

    Der Schluss des Textes ist großartig! Ohne Worte.

    Liebe Grüße,
    Fraeulein Rabatzki

  • #12

    micheline (Sonntag, 24 März 2013 17:47)

    bitte - gerne :]

    frau kann bestimmt zufrieden sein, ja. wenn die 'rahmenbedinungen' stimmen und sich positiv mitentwickeln dürfen, erst recht.
    dann soll es bewusst genossen werden, was immer auch andere dazu meinen. (neidfaktor nicht vergessen ;)

    frühlingsgrüsse nach bärlin, ihr scheint es gebrauchen zu können.

    lg, micheline

  • #13

    Nina (Montag, 25 März 2013 12:57)

    Liebes Fräulen R.,
    ich freue mich so, dass du wieder da bist!!! Und auch wenn ich gestehen muss, dass mir deine Gedanken zum Mama-Sein doch immer etwas näher gehen als die zu Emanzipation&Co, so freue ich mich trotzdem über jeden einzelnen deiner Beiträge, schmunzle rechts während ich links meine zufriedene und fröhliche 12monatige Maus (immer noch, Schock!) stille und frage mich, wann du wohl in deiner gewohnt intelligent-humorvollen Art das Thema Ein- und Durchschlafen taxieren wirst. Ich denke, der Tag wird kommen, und ich freue mich schon darauf! Also, dir weiterhin alles Gute, Positive, Inspirierende, Schöne und lass dich bloß nicht von Besserwissern, Alleskönnern und Niezweiflern unterkriegen!

  • #14

    fraeulein-rabatzki (Mittwoch, 27 März 2013 14:11)

    Liebe Nina,

    vielen Dank für deinen Kommentar! Das freut mich ganz arg zu hören, dass dir meine Texte gefallen.

    In der Tat ist das Thema Ein- und Durchschlafen ein brisantes Thema! Danke für den Hinweis. Ich denke, da werde ich deinem Wunsch bald nachkommen - das Thema beschäftigt die Rabatzkis nämlich im Moment und einige Menschen um uns herum zeitweise sogar mehr als uns selbst. Ich glaube, du und dein "armes" immernoch-Stillkind wisst da bestens Bescheid!

    Ganz liebe Grüße an dich und ein herzliches Dankeschön für deine lieben und motivierenden Worte,

    Fraeulein Rabatzki

  • #15

    Best Juicer (Dienstag, 16 April 2013 07:15)

    This is a great write-up! Thanks for sharing with us!

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Kommentare: 6
  • #6

    Melanie (Samstag, 07 November 2015 18:39)

    Ich möchte neues von Fräulein Rabatzki lesen! Bittö!

  • #5

    kevinundbabs (Freitag, 08 Februar 2013 13:37)

    Toller Blog. Du sprichst mir aus der Seele. Du findest genau die richtigen Worte. Ich besitze leider noch nicht das Selbstbewusstsein meine Meinung so offen kund zu tun... Aber für das Wohl meines Babies muss ich diese Lektion wohl noch lernen oder einfach nur brav nicken und gehen...aber auch das kann ich nicht.

  • #4

    Themama (Dienstag, 06 November 2012 16:09)

    Ein Lob an Fräulein Rabatzki. Mir gefällt dein Blog.

    Liebe Grüsse
    Themama

  • #3

    fraeulein-rabatzki (Mittwoch, 17 Oktober 2012)

    Ein neuer Beitrag zum Überleben bei unfreiwilliger Nachtaktivität! Daumen für heute Nacht bitte gedrückt halten.

  • #2

    Franky (Dienstag, 16 Oktober 2012 21:32)

    Überraschend neue Seite ( an Fr. Rabatzki UND im Internet ). Freue mich auf schöne, witzige und rührende Geschichten aus deinem/eurem Leben und freue mich daran teilhaben zu können. Liebe Grüße, Franky

  • #1

    benni (Dienstag, 16 Oktober 2012 21:32)

    hallo :D

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