Fraeulein Rabatzki ist zurück, trotz Brotlosigkeit

Liebe LeserInnen (ich hoffe es gibt euch noch...),

 

lange ist es her, doch Fraeulein Rabatzki lebt noch und es brennt mir geradezu in den Fingerspitzen wieder zu bloggen, schreiben, schwadrieren und mich aufzuregen! Ein Meilenstein ist fast geschafft: Das Nachtgespenst namens Masterarbeit hört langsam auf zu spuken. Schön. Doch jetzt lauert schon der nächste Poltergeist, der mit Fragen nach der Zukunft und dem Sinn überhaupt um sich wirft. Gelegenheit genug, um sich mal schnell über die blöde Fragerei aufzuregen. Kurz.

 

Schon während meines Studiums wurde ich andauernd gefragt "Hä? Und was kann man denn damit machen?" und auch ich habe mir natürlich diese Frage gestellt. Allerdings habe ich mir die Frage nicht mit diesem abfälligen Unterton gestellt und bin auch nach dem millionsten Mal, wenn mir diese Frage gestellt wird noch recht angepisst darüber. Ich habe keine Lust mehr zu erklären warum ich mich mit Literatur, Sozialforschung und Gesellschaftsform, Philosophie und Gender Studies beschäftige und dass sich damit durchaus etwas anfangen lässt! Ich frage mich dann auch, wie es wohl so ankäme, wenn ich einfach mal zurück fragte, was man denn mit der Ausbildung zum Elektriker so machen könne, jetzt in Zeiten, wo Arbeitsplätze nicht gerade auf der Straße zu finden sind und ob es denn da irgendwelche Zukunftsvisionen einer Aufstiegschance und Weiterbildung gäbe. Das würde ich aber niemals tun! Denn das ist unverschämt, unangebracht und zeugt von einer gewissen Arroganz. Diese Frage scheint nämlich nur den Leuten vorbehalten zu sein, die einen angeblich soliden Beruf, den man natürlich nicht hinterfragen darf, erlernt haben. Immer wieder habe ich das erlebt, dass mir nachdrücklich mit dieser Fragerei versucht wurde klarzumachen, dass mein Studium eigentlich für den Arsch, eine Menge Kohle für Nichts und irgendwie ungreifbar sei. Schön und gut, es muss ja auch nicht jeder etwas mit Kultur- und Geisteswissenschaft anzufangen wissen - mich interessieren Friseurscheren zum Beispiel auch nicht großartig, aber würde ich deshalb doch nicht das gesamte Berufsfeld in Frage stellen!?

 

Ich habe manchmal das Gefühl, das man sich als StudentIn irgendwie so einiges mehr gefallen lassen muss an in-Frage-Stellungen, außer man studiert Medizin, Jura oder BWL oder so. Zusätzlich gibt es dann noch den Irrglauben, dass StudentInnen ja sowieso nichts zu tun hätten, dabei ist studieren - natürlich je nach dem wie man es betreibt - auch ein Beruf erstmal. Wer keine Leistungen erbringt ist heutzutage schneller exmatrikuliert als sie/er gucken kann! Mehr Gestaltungsfreiraum bedeutet eben auch ab einem gewissen Punkt mehr Druck und das Erlernen der Fähigkeit von Selbstorganisation und Selbstdisziplin. Aber das ist halt nichts, was auf einem Blatt Papier in Zeugnisform ausgestellt wird.

 

Ich bleibe aber positiv und freue mich darauf, dass mir hoffentlich bald mal jemand erzählt, dass sie/er Hutmacher/in lernt, ich dann mit tatsächlichem Interesse nachfragen kann wie das so ist und wir uns dann einig darüber sein können, wie schön es doch eigentlich ist, eine sogenannte "brotlose Profession" zu erlernen und dann doch nicht zu verhungern. Ebenso habe ich mir vorgenommen dieser Fragenarroganz weiterhin nicht mit Antwortarroganz zu entgegnen, auch wenn es manchmal schwer fällt, denn der Beigeschmack des nicht-ernst-genommen-Werdens bleibt recht bitter. Aber wahrscheinlich habe ich ja eh bald einen Job, der flexible Arbeitszeiten zulässt, keine interne Hierarchien aufweist, durch den niemand ausgebeutet wird, der Spaß macht und bei dem ich 700.000 Euro locker mal nebenbei verdiene. Wie diejenigen, die mir diese dusseligen Fragen nach dem Sinn meiner Profession stellen und selbst mit ihrer Professionswahl ja auch genau einen solchen beruflichen Volltreffer gelandet haben, der sie dazu berechtigt solche Fragen zu stellen. Ne, is klar... 

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Kommentare: 6
  • #6

    Melanie (Samstag, 07 November 2015 18:39)

    Ich möchte neues von Fräulein Rabatzki lesen! Bittö!

  • #5

    kevinundbabs (Freitag, 08 Februar 2013 13:37)

    Toller Blog. Du sprichst mir aus der Seele. Du findest genau die richtigen Worte. Ich besitze leider noch nicht das Selbstbewusstsein meine Meinung so offen kund zu tun... Aber für das Wohl meines Babies muss ich diese Lektion wohl noch lernen oder einfach nur brav nicken und gehen...aber auch das kann ich nicht.

  • #4

    Themama (Dienstag, 06 November 2012 16:09)

    Ein Lob an Fräulein Rabatzki. Mir gefällt dein Blog.

    Liebe Grüsse
    Themama

  • #3

    fraeulein-rabatzki (Mittwoch, 17 Oktober 2012)

    Ein neuer Beitrag zum Überleben bei unfreiwilliger Nachtaktivität! Daumen für heute Nacht bitte gedrückt halten.

  • #2

    Franky (Dienstag, 16 Oktober 2012 21:32)

    Überraschend neue Seite ( an Fr. Rabatzki UND im Internet ). Freue mich auf schöne, witzige und rührende Geschichten aus deinem/eurem Leben und freue mich daran teilhaben zu können. Liebe Grüße, Franky

  • #1

    benni (Dienstag, 16 Oktober 2012 21:32)

    hallo :D

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