Zum Thema "Verwöhnen"

Als Mama, deren Kind noch nie schreien musste, das ausnahmslos in den Schlaf durch Schaukeln oder Stillen begleitet wurde und das ständig rumgetragen wird, werde ich durchaus auch mal darauf hingewiesen, dass ich doch damit den kleinen Rabatzki nur verwöhne. Die Realität ist nicht immer freundlich mit uns Menschen und ist es da nicht angebracht den Babies von Anfang an klarzumachen, dass das Leben kein Zuckerschlecken und schon gar nicht ein Ponyhof ist?

Zu Beginn dieses kurzen Beitrages - ich versuche im Moment tatsächlich fleißig an meiner Masterarbeit zu schreiben - muss ich gleich mal die Rabatzki-Einstellung zu dieser Thematik zu der jede/r, ob Eltern oder nicht, eine Meinung zu haben scheint und sogar Ratschläge parat hat, kundtun: Wenn Tragen, großes Maß an Nähe leben, Stillen, Kuscheln, auf Weinen reagieren und Bedürfnisse, auch wenn sie anstrengend sein mögen, bestmöglich zu erfüllen, als Verwöhnen betrachtet werden, dann ist unser Rabatzki ein schrecklich verwöhntes Baby! Der kleine Rabatzki musste noch nie Schreien und die Tragehilfe ist sein zweites Zuhause. Frustration erlebt er, wenn beim Üben seiner Fähigkeiten etwas noch nicht klappt, aber nie weil ich mir denke, dass er jetzt einfach mal da durch müsse, da ich jetzt ganz einfach keine Lust habe ihn beispielsweise an einem anstrengenden Tag zum zwölften Mal zu trösten. Ich bin mir ziemlich sicher, dass er das nicht verstehen würde und ein häufig geprießener "Lerneffekt" nicht eintreten würde. Die Zusammenhänge wären zu komplex. Ich habe gemerkt, dass mein kleines Baby sich dabei entgegen der Abhärtungstheorie trotzdem zur Selbständigkeit entwickelt. Inzwischen reichen nämlich auch, je nach Schwere des Unbehagens, meine Worte, um ihm zur Beruhigung zu verhelfen. Und das obwohl wir Rabatzkis immer auf das Geschrei unseres Kindes reagiert haben und ihn ständig rumtragen! Er krabbelt auch schon wie ein Großer selbständig durch die ganze Wohnung, dabei müsste er doch an seinen Eltern kleben, so wie die ihn verwöhnt haben!? Paradox.

 

Das Thema Verwöhnen wird durchaus hitzig diskutiert. Dabei empfinde ich es meistens als ein großes Missverständnis wie "Verwöhnen" begriffen wird. Bedürfnisse erfüllen ist für mich nicht verwöhnen. Verwöhnen ist für mich, wenn man seiner/m Partner/in Kaffee ans Bett bringt, ein Croissant vom Bäcker mitbringt und zum Frühstück den Tisch mit Blumen schmückt. Aber unter Erwachsenen scheint das ok zu sein. Ein Baby wird da viel schneller als verwöhnt bezeichnet, dabei sind doch eigentlich wir Großen die verwöhnten Rotznasen. Wir belohnen uns und andere ständig mit Dingen, die wir eigentlich nicht brauchen. Morgens trinke ich Kaffee, aber warmes Wasser würde es ja im Grunde genommen auch tun. Verwöhnen hat immer mit der Unnot der Dinge zu tun. Ich finde den Rabatzki verwöhnt, wenn er an Weihnachten vor lauter Geschenken wie ein kleiner Tiger im Käfig verwirrt zwischen dem Spielzeug hin und her krabbelt. Wenn wir daraufhin aus dem Überfluss Spielzeug auswählen, das zum Spielen bereit steht und den Rest wegpacken, damit klein Rabatzki sein Tigerverhalten ablegen kann, dann finde ich ihn verwöhnt. Aber nicht wenn wir ihn trösten oder tragen oder so.

 

So, aber nun mein eigentliches Anliegen, denn dies sollte ja ein kurzer Text sein in dem ich auf einen Artikel der La Leche Liga hinweisen wollte zum Thema verwöhnen. Für Eltern und für wohlgemeinte Ratgeber zugleich: http://www.lalecheliga.de/download/Wie%20verwoehnt%20man%20Kinder.pdf

 

Ein interessanter Beitrag des Kinderarztes und Verfasser des Buches "Menschenkinder" Herbert Renz-Polster, der das Verwöhnen einmal evolutionsbiologisch beleuchtet.

 

Ich finde übrigens schon, dass das Leben ein Ponyhof sein kann, wenn man sich einen Ponyhof schafft und wenn man das Zuckerschlecken der Tristesse vorzieht. Frohes Reiten liebe LeserInnen und viel Spaß beim Ponys streicheln!

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Kommentare: 4
  • #1

    cloudette (Samstag, 05 Januar 2013 15:04)

    Sehr schön!! Der kleine Rabatzki ist kein verwöhntes Kind, es ist ein glückliches, wie es scheint, ein beneidenswertes, weil es Sicherheit, Vertrauen, Liebe erfahren lernt und damit selbstständig werden kann. Bedürfnisse erfüllen ist nicht verwöhnen, ja!

    Ich finde allerdings, dass es mit zunehmendem Alter ein bisschen schwieriger wird zw. Bedürfnissen und Gewohnheiten zu unterscheiden (meiner ist 21 Monate). Ist z.B. das Nicht-alleine-einschlafen-können angewöhnt, ist er da "verwöhnt", hätten wir mal irgendwann den Dreh kriegen sollen Abgewöhnen geht nur mit Geschrei, das finde ich furchtbar. Die ewige Einschlafprozedur allerdings auch. Wie sehr sind wir da von irgendwelchen kulturellen Einstellungen geprägt, nach denen das Kind alleine einschlafen sollte, wo es vielleicht tatsächlich ein Bedürfnis gibt ... und wie schwer wiegt mein eigener Wunsch nach Feierabend? Spannende Fragen.

  • #2

    Katharina (Samstag, 05 Januar 2013 17:45)

    "Verwöhnen ist dem Anderen etwas abnehmen, das er auch selber machen könnte", so definierte meine Ausbildnerin zur Trageberaterin den Begriff. Seither halte ich mich an diese Definition, wenn ich in der Erziehung meines Kurzen unsicher werde.
    Ein Bisschen Verwöhnen und verwöhnt werden ist etwas Schönes! Es darf einfach weder in Abhängigkeiten noch in gegenseitigen Erwartungen abgleiten. Ich geniesse es, wenn mein Mann mir am Sonntag Frühstück macht. Es ist schön, ich fühle mich umsorgt und er tut mir damit etwas Liebes.
    Würde ich aber jeden Sonntag erwarten, verlangen, dass er mir Frühstück machte, wäre ich gar ausserstande, dies selber zu tun, dann wäre ich wohl verwöhnt im negativen Sinne.
    Aber bis dahin geniesse ich einfach das verwöhnt werden!

    Ich denke, in diesem Punkt können wir ganz gut nach unserem Bauchgefühl (nennt's von mir aus Mamainstinkt) und auch unserer Tagesform gehen. Wenn das Kind um etwas bittet, das es auch selber könnte, frage ich mich: Mag ich ihm diesen Gefallen tun? Genau gleich, wie ich mir das auch überlege, wenn mein Partner um einen Gefallen bittet. Er hat das Recht zu fragen, ich habe das Recht, "ja" oder "nein" zu sagen. Dasselbe gilt beim Kind. Kinder sind ja irgendwie auch wie Menschen - nur etwas kürzer :-)

  • #3

    Karin (Freitag, 08 Februar 2013 13:34)

    Kann ich nur unterschreiben... War aber grad am Samstag wieder im Dorfladen, als 2 Mamas mit ihren kleinen Kindern und Babies reinkommen. Das eine Kleinkind hat geschrieen, weil es kalte Hände hatte und die Mama hat es getröstet. Ich sass am Kafitisch mit ein paar älteren Paaren. Diese haben doch allen Ernstes diskutiert, dass man sein Kind einfach mal weinen lassen sollte, weil es gut für die Lungen sei und dass man sein Kind auch mal liegen lassen soll, weil es nicht dauernd verhätschelt werden möchte...

  • #4

    Centrifugal Juicer (Samstag, 13 April 2013 05:19)

    This post was just what I was in search of!

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Kommentare: 6
  • #6

    Melanie (Samstag, 07 November 2015 18:39)

    Ich möchte neues von Fräulein Rabatzki lesen! Bittö!

  • #5

    kevinundbabs (Freitag, 08 Februar 2013 13:37)

    Toller Blog. Du sprichst mir aus der Seele. Du findest genau die richtigen Worte. Ich besitze leider noch nicht das Selbstbewusstsein meine Meinung so offen kund zu tun... Aber für das Wohl meines Babies muss ich diese Lektion wohl noch lernen oder einfach nur brav nicken und gehen...aber auch das kann ich nicht.

  • #4

    Themama (Dienstag, 06 November 2012 16:09)

    Ein Lob an Fräulein Rabatzki. Mir gefällt dein Blog.

    Liebe Grüsse
    Themama

  • #3

    fraeulein-rabatzki (Mittwoch, 17 Oktober 2012)

    Ein neuer Beitrag zum Überleben bei unfreiwilliger Nachtaktivität! Daumen für heute Nacht bitte gedrückt halten.

  • #2

    Franky (Dienstag, 16 Oktober 2012 21:32)

    Überraschend neue Seite ( an Fr. Rabatzki UND im Internet ). Freue mich auf schöne, witzige und rührende Geschichten aus deinem/eurem Leben und freue mich daran teilhaben zu können. Liebe Grüße, Franky

  • #1

    benni (Dienstag, 16 Oktober 2012 21:32)

    hallo :D

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