Gedanken zum Weltfrieden

Die aktuellen Geschehnisse in Nahost sind wieder einmal erschütternd. Für mich sind sie auch ein Anlass, einmal mehr über den Weltfrieden nachzudenken. Jede Miss-Anwärterin wünscht sich den Weltfrieden, es werden Friedensnobelpreise verteilt - doch der Weltfriede bleibt aus. Als junge Frau und Mama, die noch lange auf der Welt verweilen mag und sich für ihr Baby eine friedvolle Welt wünscht, will ich es heute wagen, (m)einen Ansatz für den Weltfrieden aufzuschreiben. Weder als Miss-Anwärterin, noch als Friedensnobelpreisträgerin, sondern als von Weltschmerz geplagte Menschin, plädiere ich ganz klar für strikte gewaltfreie Erziehung der heranwachsenden und zukünftig regierenden Generationen.

Als Mama bin ich irgendwie auch Pädagogin, finde ich. Zwar ohne Prüfung und staatliche Anerkennung, doch nichtsdestotrotz erziehe ich mein Kind. Ich lese Erziehungsratgeber, Berichte zu Studien über die kindliche Entwicklung und nicht zuletzt lande ich manchmal in einschlägigen Elternforen, in denen ich nachlese, wie andere Eltern Erziehung handhaben. "Handhaben" ist dabei schockierenderweise gar nicht so unwörtlich zu verstehen. 

 

Gestern habe ich in einem dieser Foren eine Diskussion verfolgt. Darunter vertrat eine Mutter die Meinung, dass man sich nicht so haben solle mit der ganzen Zimperlichkeit, die sie heutzutage in Erziehungsangelegenheiten bemängelte und dass der "gute alte Klapps auf den Hintern" noch keinem Kind geschadet hätte. Allein, dass jemand diese Aussage öffentlich frei Schnauze raushaut, ist für mich Beweis genug dafür, dass Gewalt gegen Kinder "in gewissem Ausmaß" von vielen als nicht so schlimm angesehen wird, vielleicht sogar selbstverständlich zur Erziehung dazu gehört. Der "Klapps auf den Hintern" ist eine gewalttätige Handlung gegenüber einem Kind, Punkt. Es gibt kein Schönreden und die Beschreibung als "guter alter Klapps" empfinde ich tatsächlich als Brechreiz. Schlagen ist IMMER eine körperliche Ausübung von Gewalt. 

 

Bei uns Rabatzkis stand schon immer fest, dass unser Kind ohne "den guten alten Klapps auf den Hintern" lernen, groß werden und einigermaßen vernünftig werden sollte. Wenn Eltern gegen ihr Kind die Hand erheben, auch in den häufig beschriebenen Affekthandlungen, bedeutet das für das Kind einen massiven Vertrauensbruch. Die Menschen, die das Kind vergöttert und bedingungslos liebt tun ihm weh. Jetzt mögen VertreterInnen der guten-Klapps-Riege vielleicht sagen, dass man doch nicht so drauf haue, dass es weh tue. Und ja, vielleicht ist der körperliche Schmerz auch manchmal gar nicht dolle. Die Erniedrigung, die ein Kind in einer solchen Situation allerdings trotzdem erfährt, sitzt noch viel tiefer. Über die Methode der Erniedrigung, lernt ein Kind nicht, dass es nicht immer wieder den Vorhang runterreißen soll, sondern es lernt, dass (körperliche) Gewalt ein Mittel ist, um seinem Ärger ein Ventil zu verschaffen und um Konflikten ein Ende zu setzen, anstatt sie vernünftig zu lösen.

 

Was übrig bleibt ist Gekränktheit, Wut, Angst und Unverständnis. Und ja, ich glaube schon, dass das unweigerlich "etwas" mit einem kleinen Menschen macht, auch wenn diese/r eine/r derer ist, die/der heute der Fraktion wir-sind-doch-trotzdem-groß-geworden angehört. Vielleicht ist das auch eine Reaktion auf die eigene tief sitzende Gekränktheit und Verletzlichkeit, die in dieser Fraktion steckt. Wer möchte sich schon gerne eingestehen, dass das Zürückdenken an die Watschen oder den Klaps doch irgendwie schmerzlich ist und auch von Enttäuschung geprägt. Da sagt man doch lieber, dass es ja gar nicht so schlimm war, vielleicht sogar, dass es verdient war - eine recht kindliche Trotzreaktion also, weil dieses Thema vielleicht doch das kleine Kind in uns wieder hochkommen lässt, dass dann für uns spricht, um uns vor der unangenehmen Erinnerung zu schützen. Ja, auch die mit dem Klaps sind groß geworden - denn Kinder sind zäh, weshalb auch schwer misshandelte Kinder, KindersoldatInnen und KinderarbeiterInnen groß werden. Das "sind-auch-groß-geworden"-Argument ist also recht großer Schwach- und Leichtsinn.

 

Ich bin ein großer Astrid Lindgren Fan. Sie schrieb von frechen Kindern, die allerhand Blödsinn anstellten, die vor den schlagenden Eltern wegliefen und sich einsperrten, kleinen Mädchen, die so stark waren, dass sie ihr eigenes Pferd locker stemmen konnten und Lotta, die nicht hören will und mit dem roten Fahrrad in die Büsche fährt. Astrid Lindgren war auch Wegbereiterin der gesetzlich verankerten gewaltlosen Erziehung in Schweden, einem Land in dem niemand der heutigen Elterngeneration, die selbst bereits ohne Gewalt aufwachsen durfte, öffentlich äußern würde, dass der Klaps noch keinem Kind geschadet hätte. Diese Generation hat nämlich gelernt, dass Gewalt kein Erziehungsmittel ist und dass Kinder nicht geschlagen werden dürfen. Bestimmt gibt es auch in Schweden Kinder, die von ihren Eltern geschlagen werden. Diese Kinder wissen aber (ab einem gewissen Alter), dass sie sich wehren können. Denn alleine die Tatsache, dass auf der Milchpackung, die auf dem Frühstückstisch steht geschrieben ist, dass Kinder nicht geschlagen werden dürfen, lässt das Thema nicht in familiären Hinterstübchen verschwinden, sondern lässt gewaltfreie Erziehung Dauerthema sein. Auch in Krippen, Kindergärten und Schulen. Man kann jetzt darüber diskutieren, dass das gesetzliche Verbot beispielsweise von trotzigen Teenies auch zu einem Druckmittel gegen ihre Eltern eingesetzt werden könne, aber ich bin mir sicher, dass sich auch dafür ein ausgeklügeltes Überprüfungssystem findet.

 

"Niemals Gewalt!" hieß es in Astrid Lindgrens Rede, die sie 1978 hielt, als sie den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels entgegennahm. Seit 1979 ist das Kinderschlagen in Schweden verboten. In Deutschland seit dem Jahr 2000. 

So, und was war jetzt nochmal mit dem Weltfrieden? Ich glaube, es wäre zumindest eine Chance für den Weltfrieden, wenn man sich einmal vorstellt, dass kein Kind mehr mit Gewalt, die es von den eigenen Eltern erfährt, aufwachsen würde. Sie lernen, dass Konflikte anders gelöst werden. Und ich glaube auch, dass die Gewalt, die Diktatoren und Tyrannen macht, schon beim "guten alten Klaps" anfängt.

 

Unsere Kinder werden sich im Kindergarten und vielleicht auch noch in der Schule oder mit Geschwistern bestimmt trotzdem kloppen. Sie messen ihre Kräfte, erfahren ihre eigenen Körpergrenzen und - ganz wichtig - die Grenzen der anderen Kinder. Ich denke, dass Kinder sich vielleicht mal raufen, ist schwierig zu vermeiden. Doch es ist ein "fairerer" Kampf (als das Prügeln durch die Eltern), der dem Kind auch zeigt, dass sein Handeln vielleicht gar nichts gebracht hat und alle am Ende dasitzen und weinen, weil es weh tut und weil es ärgerlich ist. Man hat dann die Chance mit den Kleinen Rabauken zu reden und ihnen zu helfen miteinander zu reden, sich mit Worten zu versöhnen.

 

Also, im Namen des Weltfrieden - Schluss mit dem Gutreden des "guten alten Klaps", er ist scheiße.

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Kommentare: 6
  • #6

    Melanie (Samstag, 07 November 2015 18:39)

    Ich möchte neues von Fräulein Rabatzki lesen! Bittö!

  • #5

    kevinundbabs (Freitag, 08 Februar 2013 13:37)

    Toller Blog. Du sprichst mir aus der Seele. Du findest genau die richtigen Worte. Ich besitze leider noch nicht das Selbstbewusstsein meine Meinung so offen kund zu tun... Aber für das Wohl meines Babies muss ich diese Lektion wohl noch lernen oder einfach nur brav nicken und gehen...aber auch das kann ich nicht.

  • #4

    Themama (Dienstag, 06 November 2012 16:09)

    Ein Lob an Fräulein Rabatzki. Mir gefällt dein Blog.

    Liebe Grüsse
    Themama

  • #3

    fraeulein-rabatzki (Mittwoch, 17 Oktober 2012)

    Ein neuer Beitrag zum Überleben bei unfreiwilliger Nachtaktivität! Daumen für heute Nacht bitte gedrückt halten.

  • #2

    Franky (Dienstag, 16 Oktober 2012 21:32)

    Überraschend neue Seite ( an Fr. Rabatzki UND im Internet ). Freue mich auf schöne, witzige und rührende Geschichten aus deinem/eurem Leben und freue mich daran teilhaben zu können. Liebe Grüße, Franky

  • #1

    benni (Dienstag, 16 Oktober 2012 21:32)

    hallo :D

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